Durchhalteprojekt

"Durchhalteprojekt" der 8a

Bei einem Netzwerktreffen der Schulen des Demokratieprojektes in RLP wurde die Idee geboren, ein Projekt mit Schülern zu starten, das bisher nur wenige Schulen in Deutschland wagen. Ein Durchhalteprojekt! Wir machen uns auf den Weg! Und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Weg von der Schule, rein in den Westerwald hieß es für 22 SchülerInnen und den beiden Lehrerinnen Maria Lames und Verena Diedert!
8 Tage zu Fuß von Hachenburg zur Fuchskaute.

Damit es auch ein richtiges Durchhalteprojekt wird, wurden verschiedene Dinge beachtet:
- wir organisieren die Verpflegung selber,
- Übernachtungsmöglichkeiten möglichst umsonst, max. 50€ für alle zusammen für eine Nacht
- den Weg finden wir selbst
- das Projekt darf die Eltern nicht mehr als 30€ für die gesamte Zeit kosten
- wir sind ohne Handy unterwegs.

Diese Eckpunkte wurden bereits am Ende der 6. Klasse festgelegt. Auch die Strecke stand schon früh fest: Start in Hachenburg, Ziel ist die Fuchskaute. Die genauere Planung erfolgte durch die Schüler während des 7. Schuljahres. Die Klassenlehrerin stand nur beratend zur Seite.
Die Schüler gründeten eine Schülerfirma, die „Gartenzwergfirma“. Mit dieser Firma legten sie sich einen finanziellen Grundstock an, in dem sie bei verschiedenen Leuten bei Gartenarbeiten halfen und dafür Geld für die Klassenkasse bekamen. Es wurden Sponsoren gesucht und gefunden, die dieses Unternehmen toll fanden und gerne ihren Teil zum Gelingen des Vorhabens beisteuerten.
Die Klassenlehrerin, Maria Lames, besorgte die Unterkünfte. Es waren z.B. Umkleidekabinen in Stadien (Bad Marienberg und Westerburg kostenlos), Sporthalle (Nistertal, kostenlos), Dorfgemeinschaftshaus (Wiedbachhalle in Linden. kostenlos), Grillhütte (Wölferlingen), Pfarrheim Seck und Mehrzweckhalle der DPSG in Westernohe. Außerdem organisierte sie die Wasserverpflegung während der Tour und den Gepäcktransfer.
Ganz bewusst suchte die erfahrene Pädagogin sich den Beginn zum 8. Schuljahr aus. „In dieser Entwicklungsphase der Jugendlichen ist das Gehirn "wegen Umbau" geschlossen. Es ist wenig empfänglich für schulische Dinge, aber soziales Lernen, Eigenverantwortung übernehmen... können besonders gut geschult werden!
"Ursprünglich sollten es 14 Tage werden, aber das ging aus schulinternen Gründen nicht. So wählten wir einen Kompromiss: wir gehen samstags los und kommen samstags wieder. 8 Tage ohne Hotel und Taxi Mama unterwegs im Westerwälder Outback!“, erklärt die Lehrerin lachend.
Schon am ersten Tag erfüllte Andereas Nilges von der Musikschule music4kids in Nauort sein Versprechen! Nachdem er von dem Vorhaben hörte, war er so begeistert, dass er spontan zusagte, ein Straßenkonzert während der Tour mit der Klasse zu veranstalten. Im Wildpark Bad Marienberg begeisterten das Team viele Spaziergänger. Eine Wandergruppe aus der Pfalz ließ sich von der flotten Musik mitreißen und tanzte und schunkelte. Die Schüler erklärten ihr Vorhaben, gingen mit einem erklärendem Plakat umher und sammelten so 125€! Ein guter Grundstock für die nächsten Tage.
Im Stadion Bad Marienberg spendierte die Firma Reifen Gundlach aus Raubach den SchülerInnen Pizza! Herr Heiko Marmé unterhielt sich lange mit den Kindern und fand diese Idee des Durchhalteprojekts, wie so viele Menschen, denen die Klasse unterwegs begegneten, einfach toll. An diesem Abend krabbelten die Schüler glücklich über den unerwarteten Gaumenschmaus in den Schlafsack!
Auch in den nächsten Tagen war die Verpflegung immer gesichert. In Linden spielten sie auf der Wunsch der Schulsekretärin Frau Mossau ein Ständchen. Belohnt wurde dies mit Gulaschsuppe! O-Ton eines Schülers: „Gottseidank bekamen wir vorher schon das Essen, denn nach dem Ständchen hätten wir bestimmt nichts bekommen. Wir waren nicht gut drauf! Frau Lames bekam keinen vernünftigen Ton aus ihrem Saxofon raus!“ Auch das gehört dazu, dass die Schüler sehen, das Lehrer nicht unfehlbar sind! Michael Horstendahl, der die Gruppe mit seinem Tenorsaxofon unterstütze, rettete, was zu retten war!!!
Aus dem relativ kurzen Weg von Linden nach Wölferlingen kann schon mal eine längere Strecke werden, wenn man sich individuelle Strecken aussucht und Hinweise von anderen Wanderern, nicht in die Tat umsetzt. Aus 6 km wurden dann auch mal locker 10km.
Außerdem erfuhr die Gruppe, dass es nicht förderlich ist, wenn man sich nicht an Abmachungen hält. „Um 10:00 Uhr wird das Gepäckauto geschlossen, was bis dahin nicht ordnungsgemäß verstaut ist, wird getragen.“ So lautete die Vereinbarung. An diesem Tag wurden zusätzlich getragen: 2 Säcke mit Pfandflaschen, 1 Sack mit Müll und ein ca. 10 kg-schwerer Korb mit Lebensmitteln! Unterwegs riss natürlich der gelbe Sack mit Müll...
Aber auch hier machte Erfahrung klug: an jedem folgenden Tag war das Auto pünktlich und vollständig bepackt. Jeder trug nur sein eigenes Tagesgepäck zum nächsten Übernachtungssort!
Unterwegs wurde die Zeit zu teambildenden Maßnahmen genutzt. Es wurden Brücken und Überquerungsmöglichkeiten von Bächen gebaut, Baumstämme getragen und eine „Regatta“ auf dem Holzbach in der Holzbachschlucht veranstaltet. Dabei ging es darum, ein Boot aus Naturmaterialien zu bauen. Das Team, das das Boot baut, das den weitesten Weg zurücklegt hat gewonnen.
Besonders freuten sich die Jugendlichen über den Besuch des Berufseinstiegsbegleiters der Schule, Tobias Kunze. Auch er hatte Aktionen zur Gemeinschaftsbildung in seinem Repertoire!
Ein Highlight der Tour wird den Schülern in Erinnerung bleiben: die Nächte unter freiem Himmel. Ein fantastischer Sternenhimmel entschädigte für vorangegangene Strapazen.
Am letzten Tag versorgte die Firma „Sanitätshaus Wittlich“ die Gruppe mittags am Fuße der Fuchskaute in Rehe mit Nudeln und Gulasch und es gab nach einer Woche etwas anderes zu trinken als Wasser. Die Apfelschorle fand reißenden Absatz!!!
So gestärkt wurden die letzten 4 km zur Fuchskaute in schnellem Tempo zurückgelegt! Oben angekommen feierten sich die „Durchhalter“ recht laut mit dem Schlachtruf: Wir sind? SPITZE!!! Dem ein oder anderen standen auch ein paar Freudentränen in den Augen.
„Eine fantastische, einzigartige Leistung, die wir hier vollbracht haben!“ meinte Verena Diedert, die als zweite Kollegin das Projekt begleitete. „Auch für mich war es nicht immer leicht, auf Kaffee und Duschen zu verzichten! ;-) Aber wir haben durchgehalten und können zurecht stolz auf unsere Leistung sein!!!“

Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht stiegen die Jugendlichen in die Autos und fuhren müde aber glücklich nach Hause.
Resümee von Maria Lames und Verena Diedert: die jungen Leute sind aus der Woche verändert rausgekommen. Sie haben viel gelernt. Sie übernahmen Verantwortung für die Gemeinschaft, lernten sich aufeinander zu verlassen und erfuhren, dass sie belastbarer sind, als sie glaubten. Sie sind selbstbewusster geworden und haben in dieser Woche mehr fürs Leben gelernt als in einer Woche mit normalem Schulunterricht!
Besonders freuen sich die Eltern, dass sie keinen finanziellen Beitrag zum Projekt leisten mussten. Die 30€ Notgroschen konnten die Schüler wieder komplett mit nach Hause bringen!

Zu den Fotos von diesem Projekt geht's hier lang...

Folgende Firmen, Institutionen, Privatpersonen trugen finanziell, materiell oder ideell zum Gelingen des Durchhalteprojekts bei:

- Sanitätshaus Wittlich, Bendorf

- Lohmann und Rauscher, Rengsdorf

- sangro medical service GmbH, Erkrath

- Reifen Gundlach, Raubach

- Kindergarten Hilgert

- Andreas Nilges von der Musikschule music4kids, Nauort

- Westerwald Bank

- Becker & Co, Neuwied

- Rechtsanwaltskanzlei Schwaderlapp, Ransbach-Baumbach

- Stadt Westerburg

- TuS Bad Marienberg

- Gemeinde Linden

- Gemeinde Nistertal

- Marcel Druck, Fa Vredestein

- Elektroservice Bötzel, Fachbach

- Sandra Gerz, Herschbach

- Thomas Sayk, Deesen

- Michael Horstendahl

- Annegret Mossau

- Tobias Kunze

- Catharina Lames

- Eva-Maria Lames

- sowie viele Eltern der SchülerInnen